Digigraphie-Interview-Reihe: Moritz Küstner - "The Dying Dead Sea"

Digigraphie-Interview-Reihe: Moritz Küstner -

Auf trockenem Grund und Sinnbild für den Rückzug des Wassers im Toten Meer: Ein Boot liegt auf einem Sandhügel. (Foto: Moritz Küstner)

Digigraphie-Interview-Reihe: Moritz Küstner - "The Dying Dead Sea"

Im Rahmen einer Interview-Reihe rund um die Digigraphie spricht Epson mit Fotografen über ihre Arbeit, aktuelle Lieblingsprojekte, über digitale und gedruckte Bilder.
 

Das heutige Gespräch führen wir mit Moritz Küstner, freier Fotojournalist aus Hannover. Als Gewinner des Epson Fotowettbewerbs wurde sein aktuelles Fotoprojekt während des renommierten Umweltfotofestivals „horizonte zingst“ in der Epson Digigraphie Galerie ausgestellt. Die Schau läuft noch bis mindestens Ende 2019.

Wie haben Sie von dem Fotowettbewerb erfahren, Herr Küstner?

Einerseits habe ich von dem Wettbewerb durch einen Verteiler meines alten Studiengangs erfahren. Ich habe bis 2015 Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover studiert und meine Professorin hatte zu dem Wettbewerb eine E-Mail rumgeschickt. Andererseits hat mich eine Bürokollegin darauf aufmerksam gemacht. Sie war der Meinung, dass meine Geschichte doch gut passen würde.

Worum geht es in Ihrem aktuellen Projekt und was thematisieren Ihre Bilder?

Mein Fotoprojekt „The Dying Dead Sea“ handelt von dem Toten Meer, was langsam ausstirbt. Jedes Jahr wird übermäßig viel Wasser vom Jordan, dem Hauptzulauf, genutzt. Dabei kommt aber längst nicht so viel Wasser nach, wie dort gleichzeitig verdunstet. Dieses Szenario wird einerseits durch die in der Region herrschende intensive Landwirtschaft verursacht, aber andererseits auch dadurch, dass das Wasser extra in Verdunstungsbecken geleitet wird, um an die im Wasser enthaltenen Mineralien zu kommen.

Bei den Bildern habe ich aber versucht, nicht nur das Tote Meer zu zeigen, was ja durchaus ein sehr fotogener, touristischer Ort ist. Ich habe probiert, die Orte im Umkreis mit zu fotografieren. Zum Beispiel diese intensive Landwirtschaft, die Industrie, die Wasserknappheit auf der jordanischen Seite und im Westjordanland. Ich wollte aber auch zeigen, wie dort mit Wasser umgegangen wird, da viel weniger Wasser zur Verfügung steht als in Israel. Ich fand das Thema deshalb so spannend, weil eben diese drei Länder involviert sind, zwischen denen ja ein Konflikt herrscht – ein großer Konflikt. Auf diesen wollte ich eine andere Sicht schaffen und nicht die typischen Bilder nutzen, die wir sonst vom Nahost-Konflikt kennen. Ich wollte ihn aufgreifen und auf eine andere Bildebene bringen.

Können Sie uns etwas über Ihre vergangenen Projekte erzählen?

Ich habe Fotojournalismus und Dokumentarfotografie studiert. Ich finde es daher schon immer spannend, Geschichten aus anderen Ländern zu erzählen. Ich war vorher eher im „Ostblock“ statt im Nahen Osten unterwegs. Da habe ich beispielsweise eine Familie in Estland begleitet: Die Mutter war HIV-infiziert, die Kinder und der Freund jedoch nicht. Der Freund wusste nicht einmal, dass sie infiziert war. In Estland gab es ein großes Drogenproblem nach der Unabhängigkeit von Russland. Danach habe ich für meinen Abschluss auf der Krim fotografiert. Dort hatte ich ein größeres Projekt über die Krimtataren, die die autogene Minderheit auf der Krim sind und sich dort als Natives verstehen. Sie hatten sich damals am stärksten gegen die Annexion gestellt.

  

  

  

  

  

 

Ein Sinkloch am Zeltplatz des Kibbutz En Gedi (Foto: Moritz Küstner)

Welche Bedeutung hat denn für Sie das gedruckte Bild?

Das gedruckte Bild ist etwas ganz Besonderes – wenn man es in der Hand hält, das Papier riecht und manchmal sogar noch die frische Tinte. Gerade auch in einer Zeit, in der alles schnelllebiger wird, wo auf Instagram tausende Bilder am Tag gesehen, geliket und geteilt werden, da ist das schon ein ganz besonderes Statement. Ganz persönlich kann ich dazu erzählen, dass ich nach meinem Studium mein Portfolio auch erst nur digital vorliegen hatte. Mittlerweile habe ich wieder eine große Box mit 30 mal 30 Zentimetern, in der ich quadratische Prints habe. Mit dieser stelle ich mich in den  Redaktionen vor. Es ist viel intensiver, wenn ich einen Druck auf den Tisch lege und einzelne Bilder in gedruckter Form dabei habe. Ich habe das Gefühl, dass das Bild so mehr wertgeschätzt wird und es langlebgier ist. Zudem schafft es eine intimere Ebene – und Verblüffung, wenn ich meine Box auspacke.

Ihre Werke in Zingst wurden mit dem Digigraphie-Verfahren produziert, wie ist Ihr Eindruck?

Als ich das erste Mal meine gedruckten Ausstellungsprints in Zingst gesehen haben, war ich beeindruckt von der Brillanz und Schärfe, die die Digigraphie-Prints auch auf einem matten Papier haben.

Möchten Sie uns noch etwas über Ihre nächsten Projekte erzählen?

Es geht wieder zurück in den Osten und schließt an meine Bachelorarbeit an. Ich habe gerade dank des Grenzgänger-Stipendiums[1] die Möglichkeit, wieder auf die Krim zu fahren. Ich werde jetzt mal schauen, wie es den Krimtataren fünf Jahre nach der Annexion geht, also inwieweit sie sich angepasst haben. Darüber möchte ich am Ende ein Buch veröffentlichen.

 

[1] Das Grenzgänger-Stipendium wird von der Robert Bosch Stiftung ausgegeben.

Epson bietet mit der Digigraphie ein Gütesiegel, das Künstlern, Galerien, Museen und Kunstsammlern Qualität und Sicherheit bei Kunstwerken garantiert. Digigraphie beschreibt dabei ein zertifiziertes Verfahren für den digitalen Kunstdruck. Digitale Werke wie z.B. Fotografien werden unter strengen einheitlichen Produktionsstandards in limitierter Auflage gedruckt und durch den Künstler legitimiert. Mit der Epson Digigraphie wird sichergestellt, dass Kunstwerke in naturgetreuer Qualität und mit einer Lebensdauer von bis zu 100 Jahren ausgegeben werden. Indem der Künstler jedem einzelnen Druck mit Hilfe eines speziellen Prägestempels ein Gütesiegel verleiht, ihn nummeriert, signiert und damit autorisiert, erhalten Kunstliebhaber die Gewissheit, dass es sich bei ihrem Kauf entweder um ein vom Künstler gefertigtes Werk oder um eine autorisierte Reproduktion auf höchstem Niveau handelt. Auf diese Weise lassen sich Plagiate ausschließen.

Das Digigraphie-Verfahren, hat sich seit der Einführung im Jahr 2003 zu einem weltweiten Qualitätsstandard entwickelt. Angeboten wird „Digigraphie by Epson“ mittlerweile in ausgewählten Laboren in über 40 Ländern.